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Ulm/Neu-Ulm, 3. Dezember 2008Ein Spagat, der öfters weh tut
Eiskunstläufer zwischen Leistungs- und Breitensport
Der EV Ulm/Neu-Ulm hat mit seinen Eiskunstläufern viel vor: Da ist von der deutschen Spitze die Rede oder dem Landeskader. Doch Trainer Badri Kurashvili befürchtet: "Für Spitzensport fehlen die Bedingungen."
Tina Zander
Kleines Team mit großen Zielen: Badri Kurashvili (r.) würde seine Läufer gern noch öfter trainieren. Foto: Volkmar KönnekeEs gibt Tage, da fließen die Tränen. Nicht nur kurz, sondern immer wieder. Für Monika Peterka ist es so ein Tag in der Eislaufhalle am Atlantis. Die Elfjährige stürzt, rappelt sich auf. Stürzt wieder, auf dasselbe Knie. Beim dritten Mal gleitet sei auf ihren Schlittschuhen zum Trainer Badri Kurashvili. Er tröstet sie kurz: "Das kommt immer wieder vor." Zeit für Mitleid bleibt nicht, denn an diesem Tag kann er seinen Kaderläufer nur eine Stunde die volle Aufmerksamkeit widmen. Zu wenig, findet der Coach des Eislaufvereins Ulm/Neu-Ulm. Wie immer.
An der Bande freut sich derweil Vereins-Vorsitzender Robert Albrecht über 15 Eisstunden pro Woche, verteilt auf vier Tage: "Das sind eineinhalb Stunden mehr als in der vergangenen Saison." Schaut man sich das monatelange Ringen um die Trainingszeiten im vergangenen Winter mit der Atlantis-Betreibergesellschaft FZG an, so versteht sich Albrechts Erleichterung von selbst. Beide Seiten kommen jetzt gut miteinander aus. So kann sich der EVU auch wieder auf sein eigentliches Geschäft konzentrieren, den Sport.
Gut 100 Aktive tummeln sich regelmäßig auf dem Eis, vom kleinsten Anfänger bis zum erwachsenen Leistungssportler. Es ist der Spagat zwischen Breiten- und Spitzensport, der immer öfter wehtut. Denn die 15 Eisstunden für den gesamten Verein könnten die Leistungsläufer gut für sich allein gebrauchen. Monika Peterka beispielsweise kommt auf 6,5 Stunden. In dieser Zeit den dreifachen Toeloop und Salchow sowie Doppelaxel möglichst schnell ins Repertoire aufnehmen zu können, ist fast unmöglich. Hinzu kommen komplexe Schrittkombinationen, die das neue Wertungssystem verlangt. "Das braucht viel Zeit, die wir nicht haben", meint Kurashvili.
Trotz allem will Peterka in den baden-württembergischen Kader kommen und sich mit ihren Trainingskolleginnen Isabel Albrecht (12) und Nathalie Pätzka (13) auch deutschlandweit langsam einen Namen machen. Das Hürde hat Desirée Löbel schon lange genommen, nur in der vergangenen Saison schlitterte sie als 16-Jährige bei der deutschen Meisterschaft der Meisterklasse auf Rang 17 hinterher. In diesem Winter will sie natürlich anknüpfen an Zeiten, als sie noch Vierte war. Doch daneben wird sie auch im Abistress stecken. Wie beides klappt, bleibt abzuwarten. "Einige der Größeren sind dabei, sich vom Leistungssport zu verabschieden", erzählt Albrecht. Die "Mittelschicht" ist mit Peterka, Albrecht und Pätzka ganz gut aufgestellt. Und jetzt will der Verein auch mit der neuen C-Trainerschein-Inhaberin Vanessa Löbel bei den Jüngeren den Leistungsgedanken einführen. In einer Fördergruppe sollen die größten Talente eine zusätzliche Stunde pro Woche bekommen, finanziert vom Verein. Außerdem ist Ballett- und Trockentraining geplant in einer Halle, die noch zu finden ist. Und vielleicht kommt so ja auch mal wieder ein Ulmer Eiskunstläufer heraus, der in der deutschen Spitze mitmischen kann.
Genau dorthin will Trainer-Sohn Imin Kurashvili in dieser Saison, zumindest in die Junioren-Spitze. "Wenn alle meine Dreifachen in einer Kür klappen, dann kann ich vorn mitlaufen", sagt der 17-Jährige. Sich dort auch zu halten, glaubt der Vater, klappt aber nur an einem Stützpunkt wie Oberstdorf. Doch bis dahin vergehen noch viele, wenngleich auch zu wenige Stunden auf dem Ulmer Eis.
Foto: SWP

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